Ruhr-Arbeitgeber: Positive Beschäftigungs- und Konjunkturbilanz, aber Höhepunkt ist überschritten
18.07.2008 um 10:00 Uhr
 

BLITZUMFRAGE UNTER 1500 UNTERNEHMEN


Die Industrie im Ruhrgebiet hat im ersten Halbjahr 2008 eine deutlich positive Beschäftigungsbilanz erreicht. Das ergab die jüngste branchenübergreifende Halbjahres-Konjunkturumfrage der Arbeitgeberverbände des Ruhrgebiets (arbeitgeber ruhr). So hat in diesem Jahr bereits ein Drittel der Mitgliedsunternehmen neue Mitarbeiter eingestellt. Demgegenüber stehen nur zehn Prozent, die Personal abgebaut haben. Allerdings zeigt dies auch, dass das Konjunktur-Hoch seinen Höhepunkt wohl überschritten hat. Ende des vergangenen Jahres hatten noch 38 Prozent der Unternehmen ihre Belegschaft aufgestockt (Abbau damals: elf Prozent). In den kommenden sechs Monaten dürfte sich dieser Trend weiter verstärken. Bis Jahresende planen nur noch 24 Prozent einen Personalaufbau, während neun Prozent über einen Abbau nachdenken.

Deutlich positiver sieht die Bilanz auf dem Ausbildungsmarkt aus. Gegenüber nur einem Prozent, das sein Ausbildungsplatzangebot einschränken wird, wollen 24 Prozent zu-sätzliche Azubis einstellen. Gebremst wird die Personalentwicklung allerdings vom sich verstärkenden Fachkräftemangel. 29 Prozent der Unternehmen konnten aufgrund dieses Phänomens im vergangenen Halbjahr Stellen nicht besetzen.

Die Konjunkturdaten können mit der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt inzwischen nicht mehr Schritt halten. Bei Auftrags-eingang, Umsatz und Geschäftserwartungen hat sich die Zahl derer, die die Lage ihres Betriebs als besser oder gleich bleibend gut bezeichnen, im Schnitt um mehr als drei Prozentpunkte verringert.

Bei der Nettoumsatzrendite (misst den Netto-gewinn bezogen auf den Umsatz des Unternehmens), die als Gradmesser der Rentabilität eines Unternehmens gilt, klagt bereits ein Drittel der Mitgliedsfirmen über ein gleich bleibend schlechtes oder schlechteres Ergebnis. Nur noch 18 Prozent (Herbst 2007: 30 Prozent) erreichten hier bessere Zahlen als zuvor. Erhöht hat sich hingegen die Zahl der Unternehmen, die eine gleich bleibend gute Umsatzrendite erzielten, und zwar von 35 auf 44 Prozent.

„Das Ergebnis der Umfrage ist eindeutig: Trotz des erreichten positiven Niveaus haben wir bei Konjunktur und Arbeitsmarkt wohl den Höhepunkt überschritten“, so Dr. Christopher Schmitt, Gelsenkirchener und Vestischer Sprecher von „arbeitgeber ruhr“. „Sehr erfreulich ist hingegen das anhaltend hohe Ausbildungsniveau. Die Unternehmen erkennen nicht nur ihre gesellschaftspolitische Verantwortung, sondern sehen die eigene Ausbildung als wirksamstes Instrument zur Bekämpfung des wachsenden Fach-kräftemangels."

Zur Information: „arbeitgeber ruhr“ ist die Arbeitsgemeinschaft der Arbeitgeber- und Unternehmensverbände des Ruhrgebiets. Insgesamt 16 regionale Verbände an den Ver-bandsstandorten Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen organisieren in freiwilliger Mitgliedschaft rund 1.500 Unternehmen unterschiedlicher Branchen, in denen wiederum über 240.000 Arbeitnehmer beschäftigt sind. Mitgliederstärkste Industrie-Branchen sind die Metall- und Elektroindustrie (an allen fünf Standorten) mit zusammen rund 350 Mitgliedsunternehmen und über 70 000 Arbeit-nehmern sowie die chemische Industrie mit rund 145 Mitgliedsunternehmen und 36 000 Arbeitnehmern. Daneben finden sich in der Arbeitsgemeinschaft von "arbeitgeber ruhr" Branchenverbände für den Groß- und Außenhandel, für soziale Dienstleistungen und eine Reihe von branchenübergreifenden Arbeitgeberverbänden.

Hinweis: Nur für die Metall- und Elektro-branche wird im Ruhrgebiet traditionsgemäß eine eigene Konjunkturumfrage durchgeführt. Die Ihnen hier vorliegende Umfrage bezieht sich dagegen branchenübergreifend auf alle in den hiesigen Arbeitgeberverbänden vertretenen Industriezweige.





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